Manuelles Druckablassventil in den Booster-Deckel einbauen
Mit steigendem Innendruck in der Booster-Flasche lässt sich der Deckel nimmer schwerer aufschrauben, was für ältere Menschen ein Problem sein kann. Besonders schwergängig wird dann der Deckel auf der Flasche Aquavolta Turbo 3, weil hier der Innendruck bis zu 6 bar erreichen kann (entsprechend 60 m Tauchtiefe!)
Dafür habe ich mir eine einfache Lösung einfallen lassen, wie man in dem Deckel mit etwas handwerklichem Geschick ein manuelles Druckablassventil nachrüsten kann. Es genügt dann ein kleiner Zug an dem Ventilstift, der oben aus dem Deckel ragt. Das Überdruckventil im Deckel wird manuell betätigt und der Deckel lässt sich jetzt wieder leicht öffnen.
Die Deckel Aquavolta-Flaschen Nano, Turbo 2 und Turbo 3 haben nur ein verschiedenes Design und etwas unterschiedliche Federn. Die innere Geometrie des Überdruckventils ist jedoch stets gleich geblieben. Hier z.B. der Deckel des Nano:

Die zwei Kreuzschlitzschrauben zum Öffnen des Deckels sind unter dem aufgeklebten Designplättchen versteckt, das sich leicht ablösen lässt. Zum Vorschein kommen eine Feder, ein weißer Kunststoffstempel und ein transparentes Dichtungsplättchen (Vorsicht, dass es nicht verloren geht!)
Der Trick ist, dass dieser Kunststoffstempel durch eine Schraube ersetzt wird, die oben aus dem geschlossenen Deckel herausragt. Zieht man dann an dieser Schraube, drückt der Schraubenkopf nicht mehr auf die transparente Dichtscheibe und der Innendruck kann entweichen.
Dazu durchbohrt man vorsichtig den geschlossenen Deckel genau in der Mitte, sodass der Bohrer bis in das Innere der gespannten Feder vorstößt.
Dann schraubt man die silberne Deckkappe durch Lösen der zwei Schrauben ab, ersetzt den Kunststoffstempel durch die Schraube und schraubt den Deckel wieder zusammen.
Fertig!
Als Schraube eignet sich eine Inbus-Schraube M2,5 mit 25 mm Länge (Bohrung dann 2,5 mm) oder eine Kreuzschlitz-Senkkopf-Schraube M3 mit 30 mm Länge (Bohrung dann 3 mm).
Verwendet man die Inbus-Schraube mit dem dicken Kopf, bewirkt das allerdings auch, dass das Überdruckventil später öffnet, weil die Feder dadurch stärker vorgespannt wird!
Das kann dazu führen, dass die Flasche undicht wird. Der Aquavolta Turbo 3 verträgt diese Druckerhöhung schadlos, aber sicherer ist es, eine Senkkopf-Schraube zu verwenden, durch die die Feder kaum stärker gespannt wird.
So habe ich das bei den Deckeln für die Turbo-3-Booster-Flasche gemacht:
- Zunächst oben die silberne Abdeckplatte entfernen. Sie ist nur mit 4 Laschen in den schwarzen Deckelkörper eingeklipst, aber das Abheben geht nicht einfach. Ich bin mit einem scharfen Messer in den Spalt gefahren und habe den Spalt mit dem Messerrücken weiter gespreizt, bis die Deckplatte ausrastet.
- Dann genau mittig in den schwarzen Deckelkörper ein 3‑mm-Loch bohren (dort ist eine leichte Vertiefung, die den Bohrer selbsttätig zentriert).
- Die zwei Kreuzschlitzschrauben lösen und den schwarzen Deckelkörper abheben
- Jetzt die silberne Abdeckplatte wieder auf den schwarzen Deckelkörper klipsen (Achtung: Die Klipsnasen brechen leicht ab, wenn das Aufklipsen nicht gleichmäßig erfolgt!)
- Dann auch die Abdeckplatte von innen durch den schwarzen Deckelkörper mit demselben Bohrer durchbohren. (das ist wichtig, damit die Bohrungen genau übereinstimmen)
- und die Abdeckplatte wieder vorsichtig abklipsen
- Feder und weißen Kunststoffstempel entnehmen (das Dichtplättchen drin lassen, oder wieder einlegen, wenn es mit herausgekommen ist).
- Den Schraubenkopf von der einzusetzenden Schraube auf 4 mm Durchmesser abschleifen und prüfen, dass er sich leicht bis auf das Dichtplättchen einbringen lässt. (Bild 1)
Das Abschleifen geht am besten, wenn die Schraube in einen Akkuschrauber oder eine Bohrmaschine gespannt wird, und der rotierende Schraubenkopf dann auch eine Feile gedrückt wird. - Die Schraube mit der Feder in den weißen Schraubdeckel auf das Dichtplättchen setzen (Bild 2)
- Den schwarzen Deckelkörper wieder aufschrauben (Bild 3) und die Abdeckplatte wieder vorsichtig aufklipsen (Bild 4)
- Zuletzt Kontermutter und Radmutter als Griff aufschrauben und gegeneinander verspannen (Bild 5)
Bild 1: erster Versuch mit einer Schlitzkopf-Schraube, einer Radmutter und einer Kontermutter (weißer Kunststoff-Stempel zum Größenvergleich)
Bild 2: Schraube und Feder in den weißen Schraubdeckel auf das transparente Dichtungsplättchen gestellt
Bild 3: Durchbohrter schwarzer Deckelkörper wieder aufgeschraubt
Bild 4: Abdeckplatte wieder aufgeklipst
Bild 5: Kontermutter und Radmutter aufgeschraubt und gegeneinander verspannt. FERTIG!
Eine schönere Variante ist die Verwendung einer 30‑mm-M3-Senkkopf-Kreuzschlitz-Schraube mit einer M3-Messing-Kappenmutter! (Bilder 6 und 7)
Durch den Senkkopf ist weniger Material abzuschleifen und die Feder wird nicht stärker vorgespannt, und durch die Kappenmutter entfällt die Kontermutter zur Fixierung des "Handgriffs". Dazu einfach die Schraube mit einer Spitzzange festhalten und die Kappenmutter fest anziehen.
Bild 6: Verwendete Schraube mit Kappenmutter original und Schraube mit kleinem gefeilten Schraubenkopf, sowie der weiße Druckstempel, der durch diese Schraube ersetzt wird.
Bild 7: Fertiger Deckel mit manuellem Druckentlastungsventil
