Messgenauigkeit der blauen Tropfen
Jeder Tropfen der Messflüssigkeit neutralisiert 0,1 ppm bei der Anwendung und entfärbt sich dabei. Nach 10 eingerührten Messtropfen sind also 1 ppm weniger H2-Gas in dem Messbecher mit Wasser. Entfärbt sich nun der 11. Tropfen nicht mehr, dann waren mit Sicherheit mindestens 1 ppm H2-Gas im Wasser gelöst, und mit Sicherheit weniger als 1,1 ppm, weil dann doch zu wenig H2-Gas im Wasser war, um auch noch den 11. Tropfen Methylenblau (ganz) zu entfärben. Die Genauigkeit der Messung ist demnach 1,1 ppm (+ 0 / - 0,1) und das Wasser in diesem Beispiel mit 11 Tropfen hat ein H2-Gehalt zwischen 1,0 und 1,1 ppm (und nicht sicher 1,1 ppm, wie in der Anleitung suggeriert).
Mit dem letzten nicht entfärbten Tropfen wird das Messergebnis also auf den nächst-höheren, aber unwahrscheinlichen 0,1-Schritt (um 0,1 ppm) "aufgerundet".
Das Messergebnis ist aber auch stark von der Größe der Tropfen aus der Pipette abhängig. Größere Tropfen ergeben einen zu kleinen Messwert, und kleinere Tropfen machen das Messergebnis "zu gut".
Nach meinen Laboruntersuchungen bestehen die Tropfen fast oder ganz ausschließlich aus den Komponenten Wasser, 70 % Ethanol, Methylenblau und kolloidalem Platin. Die Größe der Tropfen hängt einerseits von dem Durchmesser der Tropftülle ab, aber andererseits auch besonders von der Oberflächenspannung der abtropfenden Flüssigkeit. (Die Handhabung selbst hat einen geringen Einfluss, wenn die Tropföffnung beim Tropfen immer nach unten zeigt, die Pipette also nicht schräg gehalten wird.). Wasser und Ethanol haben aber eine sehr unterschiedliche Oberflächenspannung (Wasser 72,75 und Ethanol 22,55 mN/m). Das bedeutet: wenn Ethanol (Alkohol) aus der Messflüssigkeit verdunstet, werden die Tropfen größer, es wird mehr H2-Gas je Tropfen neutralisiert, und die Tropfen zeigen einen zu geringen H2-Gehalt im Wasser an. Messtropfen, die längere Zeit offen gestanden sind (oder ggf. auch gegen Ende ihrer Nutzung), zeigen also einen zu niedrigen H2-Gehalt an. Auch wenn die Flasche schon recht leer ist, sammelt sich über der Testflüssigkeit in der Flasche mehr Ethanol-Gas an, welches bei jedem neuerlichen Öffnen der Flasche entweicht.
Wichtig: Nach Beendigung einer Messreihe die Flasche wieder mit dem Original-Dichtpfropfen verschließen und die Pipette auswaschen, denn durch den Gummibalg an der Pipette diffundiert das Ethanol mit der Zeit. Die Messbecher immer sofort nach der Messung ausgießen und solange immer wieder mit Wasser füllen, bis sich das Wasser (über Nacht) nicht mehr blau einfärbt. Dann den Messbecher gründlich mit etwas Wasser und Küchen-Papier ausreiben.